Zwei Hexen und eine Lügen-Geschichte – eine Filmreview zu “The Green Lie”

(Trailer in English? Klick here!←)

Kurz nachdem der erste Trailer von “The Green Lie – Die Grüne Lüge” online war, sah ihn die Groschenhexe und konnte es kaum erwarten den Film im Kino zu sehen.

Es ist kein Superheldenfilm, keine Hollywood-Schnulze, kein Science-Fiction-Horror-Blockbuster, sondern ein Dokumentarfilm, der uns Menschen der westlichen Welt zeigt, wo wir uns befinden: In einem Dickicht voller Grüner Lügen – eingelullt von den Nachhaltigkeitsversprechen der Konzerne, besänftigt durch nichtssagenden Qualitätssiegel, gefangen in unserem Konsumverhalten.

Wer Werner Bootes Film “Plastic Planet” kennt, weiß, dass der Filmemacher keine utopischen Horror-Szenarien entwerfen muss, um uns zum Nachdenken und Umdenken zu bringen. Die Realität ist schon genug!

WP_20181003_00_15_47_ProNachdem der Kinostart verstrichen war, und in keinem Kino in der Nähe der Film lief, wartete die Groschenhexe geduldig und konnte nun schließlich, am Abend vor dem Tag der Deutschen Einheit, die Dokumentation im Capitol Kino in Witzenhausen ansehen.

Zuvor hatten wenige Sekunden des Trailers ausgereicht, um die 10-jährige Nachwuchs-Hexe für den Film zu begeistern, sodass sie umbedingt mit ins Kino wollte. Statt Minecraft zu zocken oder die Harry-Potter-Bücher zum x-ten Mal zu lesen, saß die Nachwuchshexe im Kinosaal zwischen den anderen (erwachsenen) Zuschauern, einer überschaubaren Menge, und ließ sich von Werner Boote und Kathrin Hartmann zeigen, wie das Greenwashing der Konzerne funktioniert.

WP_20181003_00_15_31_ProWir zwei Hexen sind keineswegs Greenhorns in Sachen Nachhaltigkeit – hat die Groschenhexe-Familie doch u.a. nach Filmen wie “Plastic Planet” und “Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen” das eigene Leben und Konsumieren hinterfragt und umgestellt – und doch zeigte uns der Film “The Green Lie” wie subtil, gezielt und effektiv wir von Konzernen beeinflusst werden. Wie wir bei unserem Versuch nachhaltig zu konsumieren, von den Herstellern veräppelt werden und wie wenig nachhaltig oft unser Einkaufsverhalten ist.

Der Anblick gerodeter Regenwälder stimmt sicherlich die meisten Menschen traurig, aber erst die Verbindung dieser Bilder mit den Aussagen der Palmölindustrie und der Bezug auf Produkte aus unserem Alltag, macht richtig klar, was da falsch läuft. Das begreift auch ein (10-jähriges) Kind – auch wenn es vielleicht nicht versteht, was die Begriffe Aktionäre, Deepwater Horizon, Profit, CEO, RWE oder Indigene bedeuten.

Für uns wissende Erwachsene mag der erschütternde Wahrheit des Films noch erschlagender und ergreifender sein. Aber wir fühlen uns nicht allein, merken, dass es nicht der einzelne Konsument ist, auf dessen Rücken diese Lügen-Geschichte ausgetragen wird, sondern dass wir viele sind, viele Betrogene, Wütende, Traurige, Andersdenkende, und Handlungs- und Wandlungsbereite.

Was nach diesem Kinofilm bleibt, ist der Wunsch, sich in der Zukunft nicht mehr blenden zu lassen, sich engagierter, gemeinsamer und bewusster für eine bessere Welt einzusetzen und die nachdenklichen Worte eines Kindes auf der Heimfahrt:

“Die Menschen roden den Urwald ab, ohne vorraus zu sehen. Das ist wie beim Schach: Mein Pferd schlägt den Bauern des Gegners, doch meine Dame ist weg, da mein Pferd sie geschützt hat. Wenn der Gegner nett ist, darf ich meinen Zug zurückziehen, doch der Urwald ist verbrannt und kommt nie wieder.”
(Die Nachwuchs-Hexe)

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